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Jan B√∂hmermann ūü§®
Hier kommt das nicht erschienene FAS-Interview vom 6.9.2020 als Twitter-Thread (in 73 Tweets). Wer m√∂chte, kann es von mir aus gerrne ver√∂ffentlichen oder abdrucken ‚Äď es m√ľssen aber ggf. juristische Details vorher noch mit der FAZ und deren Herausgebern gekl√§rt werden (wg.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
Replying to @janboehm
Leistungsschutzrecht ? IDK)! Es gibt dazu auch noch Fotos, auf denen ich in einer Topfpflanze stehe. Wo die sind, wei√ü ich aber nicht. ‚ėĻÔłŹ Wei√ü immer noch nicht, warum das nicht gedruckt wurde.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
Replying to @janboehm
LG und sry wg SPAM, j b FAS: Sie haben sich im Januar 2009 bei Twitter angemeldet. Ihr erster Tweet lautete: ‚ÄěHunger!‚Äú. Und schon im zweiten beklagten Sie: ‚ÄěWas f√ľr eine Zeitverschwendung‚Äú. Zehn Jahre sp√§ter: Wieviel Zeit verschwenden Sie mittlerweile mit Twittern?
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
Replying to @janboehm
Mindestens sechs Stunden am Tag. Twitter ist meine zentrale Plattform, von der aus ich √ľberall anderes hingehe. Die Hauptquelle, sowohl, was journalistische Inhalte angeht als auch um Leute einzusch√§tzen, die sich dort aufhalten.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
Replying to @janboehm
Denn bei Twitter exponieren sich Menschen gerne, freiwillig oder unfreiwillig. Das ist spannend, wenn man auf der Suche nach Material f√ľr Komik ist, oder einen wunden Punkt, in den man einhaken kann. Ich bin mir sicher: Hegel h√§tte Twitter geliebt.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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FAS: Nach zwei Monaten fragten Sie sich noch, warum sie twittern sollten. Ich nehme an, inzwischen haben Sie es herausgefunden. Vielleicht war die Frage nach dem Warum vor zehn Jahren noch gar nicht eindeutig zu beantworten, das Medium hat sich weiterentwickelt.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Heute sind viel mehr interessante Leute bei Twitter. Gleichzeitig ist das Medium zur Selbstverst√§ndlichkeit geworden. Es ist inzwischen wie telefonieren. Ein Kommunikationsmittel, das ich benutze, ohne gro√ü dar√ľber nachzudenken, warum es das gibt.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Ich nutze Twitter vor allem am Computer, mit dem Tweetdeck. Das ist ein spezielles Interface, auf dem man seinen Homescreen in verschiedenen Spalten sehen kann, angeordnet nach Suchwörtern, Reaktionen, Likes und so weiter.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Wie eine Weltmaschine, ein Röntgengerät, ein umfassender Einblick in den laufenden Diskurs.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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FAS: Im Vorwort ihres Buches z√§hlen Sie die verschiedensten Funktionen auf, die Twitter f√ľr Sie hat: ‚ÄěVentil f√ľr Impulse, Spiegel meiner Ratlosigkeit, Speicherort f√ľr das Innerste, Ideen oder Quatsch, zugleich geheimes Tagebuch und unter Starkstrom stehendes Megafon‚Äú.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Entscheiden Sie bewusst, welche Tonlage Sie jeweils anstimmen? Die h√§ngt sehr von der Stimmung ab, in der ich mich gerade befinde. Wenn ich aufgew√ľhlt bin, verhalte ich mich schlie√ülich anders als wenn ich glaube, √ľberlegen auf die Lage schauen zu k√∂nnen.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Ich habe das nur bis zu bestimmten Punkt unter Kontrolle. Oft ist das Medium sehr persönlich, aber es kann auch ein kaltes PR-Tool sein, das man ganz professionell bedient. Dass niemand, nicht einmal man selber, das auseinanderhalten kann, ist der Reiz.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Was bei Twitter passiert, ist ein erstaunlich genaues, ganzheitliches Abbild dessen ist, was man ist und wie man denkt. Anderswo gibt es immer nur Facetten. Im Fernsehen habe ich einen Anzug an und bin eine angriffslustige Figur, die in der Gegend rumpupt.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Im Podcast gebe ich den eher um sich selbst kreisenden, pers√∂nlicheren Schmusetyp. Das Spannende an der Arbeit am Buch war, dass es nicht um mehr B√ľhnenfiguren geht, sondern ums Eingemachte.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Das Material liegt komplett auf dem Tisch. 2017 habe ich gedacht, das muss raus aus dem Fluss der Timeline, in ein anderes Medium und habe dann angefangen zu sortieren. FAS: Ist es trotz all der persönlichen Ebenen nicht auch eine Figur, die man da kreiert?
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Vor allem als Mensch, der prominent in der √Ėffentlichkeit steht? Twitter ist ein √∂ffentliches geheimes Tagebuch, dass du das nicht nur f√ľr dich selber schreibst, sondern auch immer mit einem Bewusstsein f√ľr die Wirkung.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Aber die radikale Veränderung der Welt im letzten Jahrzehnt bleibt ja ein Fakt. Viele Gewissheiten sind zerbröselt, das Geländer ist wackelig geworden.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Ich glaube, dass vor allem diese allgemeine Gel√§nderlosigkeit dann zu einer Art Dauersuche f√ľhrt, die sich in meiner Branche darin √§u√üert, dass Kunstfiguren nicht mehr durchziehbar sind.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Wenn echte Verzweiflung sp√ľrt oder den Drang, sich irgendwo festhalten zu wollen, dann muss man das auch artikulieren ‚Äď wenn auch erstmal nur f√ľr sich selber.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Dadurch, dass mein Gedankentheater bei Twitter in den letzten elf Jahren auf einer immer gr√∂√üeren B√ľhne stattgefunden hat und sind zum Teil extreme Wechselwirkungen mit meinem Publikum entstanden. Nat√ľrlich l√ľge ich bei Twitter, aber erschreckend viel √∂fter nicht.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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FAS: Wie komplett ist das Buch denn? Ich halte es da mit Hegel: Ich habe alle Sachen herausgek√ľrzt, die Werbung oder Promotion waren und alles, was reiner, zielloser Witz ist.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Aber ich habe auch viel grobe Scheiße dringelassen, um mir und den Leserinnen den Spaß zu gönnen, sich das anzusehen und auszuhalten. Und die Beziehung zu dem Buch wird sich verändern.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Mit noch gr√∂√üerem Abstand, in zehn Jahren oder so, werde ich mich nochmal anders dazu verhalten m√ľssen. Es geht mir mit dem Buch zuerst um die Exposition des Mediums Twitter. Dieses Medium beeinflusst unsere Wirklichkeit erheblich, ob wir das wollen oder nicht.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass das eingeordnet und artikuliert werden muss. Und dazu muss man den Inhalt aus dem Medium herausbrechen. Das ist wie etwas zu zerbrechen und neu zusammenzusetzen.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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FAS: Auf den ersten Blick ist es ja eine ziemlich seltsame Idee, das Internet ausdrucken. Wer ist denn die Zielgruppe f√ľr das Buch? Geht es darum, den Leuten, die Twitter nicht nutzen, das Medium n√§herzubringen? Die T√ľcke an dem Medium ist der Fluss.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Man denkt, weil etwas nicht mehr in der Timeline steht, sei es verschwunden. Aber das ist nat√ľrlich falsch. Mit allem, was man ins Netz schreibt, passiert etwas. Twitter ist Wahrhaftigkeit plus Wirkung. Und wenn man die Inhalte aus dem Medium zieht, entsteht Neues.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
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Man darf nat√ľrlich nicht kultigsten Spr√ľche aufschreiben, sondern etwas aus dem Fluss zu ziehen und hinzustellen. Lustig ist das Buch trotzdem geworden. Es darf gelacht werden. FAS: Nur f√ľnf Prozent der Deutschen, schreiben Sie, nutzen Twitter.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
Replying to @janboehm
Trotzdem sind sie sicher, damit die Welt verändern zu können, weil die Menschen, die dort vernetzt sind, politisch, gesellschaftlich oder kulturell sehr relevant sind. Wann haben Sie dieses aktivistisches Element entdeckt?
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
Replying to @janboehm
Mein aktivistisches Element hat sich unabh√§ngig vom Medium entwickelt. Das liegt an der zerbr√∂selnden Welt der letzten zehn Jahre und dem unbefriedigendem Gef√ľhl, dass ich in der Rolle des Quatschvogels zur Passivit√§t verdammt bin.
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
Replying to @janboehm
Ich glaube nicht, dass mir das Medium Twitter eine Agenda aufzwingt. Aber ab einer gewissen Publikumsgr√∂√üe musste ich mich als Absender reflektieren. Wieweit kann ich mich noch √ľber einen kleinen Fuzzi lustig machen, der Rechtschreibfehler macht?
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Jan B√∂hmermann ūü§® Sep 10
Replying to @janboehm
Das f√ľhrt manchmal zu einer anderen Ernsthaftigkeit, macht aber auch das Scheitern umso dramatischer, peinlicher und lustiger, weil ich mich nat√ľrlich st√§ndig selber vergesse.
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