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Im Jahr 2004 zog der Rowohlt-Verlag die Notbremse und entschloss sich kurz vor Drucklegung, die Nazipornokolportage des heutigen AfD-Wahlwerbers Thor Kunkel, die unter dem wenig dezenten Titel ยซEndstufeยป erscheinen sollten, lieber doch nicht zu verรถffentlichen.
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๐™น๐šŠ๐š— ๐™บ๐šž๐š๐š๐šŽ๐š› Mar 11
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Damals gab es augenscheinlich gewisse Vorstellungen davon, was man im Programm haben wollte โ€“ und was dann doch lieber nicht. Die knapp 600 Seiten schwere Wichsvorlage fรผr Militariasammler erschien dann woanders, bei Eichborn, spรคtere Bรผcher Kunkels bei Heyne und Matthes & Seitz.
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๐™น๐šŠ๐š— ๐™บ๐šž๐š๐š๐šŽ๐š› Mar 11
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Man weiรŸ nicht genau wie, aber die Meinungs- und die Kunstfreiheit der Bundesrepublik Deutschland scheinen diesen Akt verlegerischer Selbstbestimmung auf wundersame Weise รผberlebt zu haben. Thor Kunkel auch: Er ist heute ยซKreativdirektorยป von AfD-Wahlkรคmpfen.
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๐™น๐šŠ๐š— ๐™บ๐šž๐š๐š๐šŽ๐š› Mar 11
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Rowohlts Entscheidung, auf die bereits angekรผndigte Verรถffentlichung von ยซEndstufeยป zu verzichten, lรถste eine aufgeregte Debatte in den Feuilletons aus: Verteidiger der reinen Sprache (ยซglรคnzend geschriebenยป) prallten auf Kritiker der schamlosen Intention (heute: Moralpรถbel).
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๐™น๐šŠ๐š— ๐™บ๐šž๐š๐š๐šŽ๐š› Mar 11
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Die Feuilleton-Debatte รผber Kunkel platzte in ein รถffentliches Klima, das gerade durch die sog. Hohmann-Affรคre geprรคgt wurde. Kurz zuvor hatte der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann (heute, natรผrlich, AfD) eine unverhohlen antisemitische Rede gehalten (...)
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๐™น๐šŠ๐š— ๐™บ๐šž๐š๐š๐šŽ๐š› Mar 11
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(...) und war daraufhin, nach anfรคnglichem Zรถgern und Zaudern allerdings, aus der CDU-Bundestagsfraktion und spรคter aus der Partei ausgeschlossen worden. Prominente Hohmann-Unterstรผtzer*innen sorgten sich daraufhin รถffentlich um die Meinungsfreiheit im Land.
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๐™น๐šŠ๐š— ๐™บ๐šž๐š๐š๐šŽ๐š› Mar 11
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(Hierzu zรคhlten u.a. Vera Lengsfeld, Ernst Nolte, Erika Steinbach, Norbert Geis, Heinrich Lummer, Herbert Fleissner und Reinhard Gรผnzel, damals Kommandeur des notorischen Kommandos Spezialkrรคfte der Bundeswehr (KSK), der spรคter ein Buch mit Gรถtz Kubitschek verรถffentlichte.)
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๐™น๐šŠ๐š— ๐™บ๐šž๐š๐š๐šŽ๐š› Mar 11
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Betreibt Rowohlt mit seiner Kunkel-Absage (Selbst-) Zensur im Dienste der Political Correctness? Ist die Meinungsfreiheit wegen des Hohmann-Ausschlusses in Gefahr? Kann, darf, soll, muss man einem (vermeintlichen) Sprachkunstwerk seine hemmungslose Nazisploitation vorwerfen?
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๐™น๐šŠ๐š— ๐™บ๐šž๐š๐š๐šŽ๐š› Mar 11
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Darf man, wie Hohmann, Juden als ยซTรคtervolkยป bezeichnen? Soll man einen, der das tut, weiter in seinen Reihen dulden? Sollte man Werk (originell!) und Autor (Wirrkopf) trennen? Muss man alles verlegen, worauf man sich mit einem Autor zuvor vertraglich geeinigt hat?
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๐™น๐šŠ๐š— ๐™บ๐šž๐š๐š๐šŽ๐š› Mar 11
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Wo verlaufen die Grenzen von Meinungsfreiheit und Zensur? Das waren einige Diskussionen im Jahr 2004. Jรผrgen Mรถllemanns antisemitischer FDP-Flyer war gerade zwei Jahre her, Martin Walsers Paulskirchen-Rede sechs Jahre, sein ยซTod eines Kritikersยป zwei Jahre.
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๐™น๐šŠ๐š— ๐™บ๐šž๐š๐š๐šŽ๐š› Mar 11
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Der Rowohlt-Verlag hatte damals die Kraft, eine Entscheidung zu treffen. Man verlegte zwar einen bunten Gemischtwarenladen mit breit gefรคchertem Sortiment und Platz fรผr allerlei Unfug. Aber es gab Sachen, die wollte man dann doch lieber nicht im Programm haben.
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๐™น๐šŠ๐š— ๐™บ๐šž๐š๐š๐šŽ๐š› Mar 11
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Will ich damit Kunkels ยซEndstufeยป und Woody Allens Autobiographie gleichsetzen? Nein. Ich will nur sagen, dass ein Verlag sich entscheiden kann und muss, was er verรถffentlichen will. Und dass er solche Entscheidungen auch wieder revidieren kann, wenn ihm etwas wichtig ist.
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๐™น๐šŠ๐š— ๐™บ๐šž๐š๐š๐šŽ๐š› Mar 11
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Wer deswegen (oder weil jemand einem Autor nicht vorbehaltlos gegenรผbertreten mรถchte) allerdings gleich das Ende der Zivilgesellschaft oder zumindest der Unschuldsvermutung (als ob wir hier im Strafprozess wรคren) herbeiraunt, kocht damals wie heute ein ganz eigenes Sรผppchen.
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