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Jonas Schaible
Ich glaube, diese Kolumne von ist vielleicht einer der instruktivsten Texte, der in jüngerer Zeit geschrieben worden. Ich bin überzeugt, dass die beschriebene Haltung die großen Konflikte unserer Zeit maßgeblich erklärt... Da steckt alles drin. Thread.
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Jonas Schaible Aug 5
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schreibt vom Normalmenschen, der einfach nur seinen Sommer, sein Steak und sein Normalsein genießen will. Er will unbehelligt bleiben von der Welt. Er fordert das Recht auf ein von der Geschichte unberührtes Leben.
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Jonas Schaible Aug 5
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Er will Fleisch essen, ohne darüber nachzudenken, was es bedeutet, Tiere zu töten, und was Massentierhaltung fürs Klima bedeutet. Er will Normalsein und zufrieden, wenn er frei hat.
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Jonas Schaible Aug 5
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Aber Fleisch zu essen ist nicht folgenlos. Und die Konsequenzen sind nicht harmlos. Für das Tier nicht, für den Planeten nicht und damit für Milliarden Menschen nicht. Auch wenn man sich das wünscht.
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Jonas Schaible Aug 5
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Fliegen ist nicht folgenlos, und die Folgen sind nicht harmlos. Auch wenn man einfach nur Urlaub machen und die Welt sehen will. Und auch wenn es schön wäre, es wäre harmlos.
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Jonas Schaible Aug 5
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Schnell zu fahren mit großen, schweren, leistungsstarken Autos, ist nicht folgenlos und die Folgen sind nicht harmlos. Auch wenn es toll wäre, es wäre so.
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Jonas Schaible Aug 5
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Z-Schnitzel zu sagen, ist nicht folgenlos und die Folgen sind nicht harmlos. Witze über Schwule zu machen oder Özil für eine miese WM zu beschimpfen, Müller aber nicht, ist nicht folgenlos und die Folgen sind nicht harmlos, auch wenn man überzeugt ist, es nicht so zu meinen.
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Jonas Schaible Aug 5
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Frauen sprachlich systematisch unsichtbar zu machen, ist nicht folgenlos und die Folgen sind nicht harmlos, auch wenn man es immer schon so gemacht hat und man es ästhetischer findet.
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Jonas Schaible Aug 5
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Die allerwenigsten Dinge sind folgenlos, was wir tun, hat Auswirkungen auf das Leben anderer Menschen (und Tiere).
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Jonas Schaible Aug 5
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Sich darüber Gedanken zu machen, ist unerfreulich. Es bedeutet, entweder zu lassen, was man gern täte, oder eine Art schlechtes Gewissen zu haben, wenn man es trotzdem tut.
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Jonas Schaible Aug 5
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Deswegen der Hypermoralismus-Vorwurf, der auch in dem Text auftaucht. Wer darauf hinweist, und sei es, wie die Veganerin, nur durch ihr bloßes wortloses Handeln, erscheint als Nörgler, als Belehrender.
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Jonas Schaible Aug 5
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So wird die Illusion aufrechterhalten, es gäbe ein Leben ohne außen, ohne Folgen, ohne Dilemmata und Zielkonflikte. Alle Handlungen und Lebensstile, die auf faktischer, wenn auch geleugneter Ausnutzung anderer, die zulasten anderer geführt werden...
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Jonas Schaible Aug 5
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... stehen zur Disposition: das, was "normales Leben" von "Normalmenschen" heißt, die selber schuften, keine Kapitalisten oder Ausbeuter sind und sich selbst so nicht empfinden. Sie erfahren es (zutreffend) als Angriff auf ihr Sosein, wenn ihnen vor Augen geführt wird...
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Jonas Schaible Aug 5
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... dass ihr Sosein unangenehme Folgen hat, weil es anderen Menschen schadet, obwohl sie das gar nicht wollten. Deshalb vermengen sich wie in diesem Text von populistische Elitenkritik, Ablehnung von Intellektuellen (Besserwissern), Kritik an Feminismus,...
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Jonas Schaible Aug 5
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... Antirassismus, Antikolonialismus, Critical Whiteness, Klimaschutz, Veganismus und Radfahren zu einer ganz erstaunlichen Melange, die aber sehr viele Menschen zusammenbindet.
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Jonas Schaible Aug 5
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Im Kern ist es das, was ich mal Normalitarismus genannt habe, nur dass mir jetzt klarer geworden ist: Der Normalitarismus ist ein Hedonismus. Er basiert auf dem Gefühl, ein Anrecht auf ein unbehelligtes Leben zu habe - und schlägt aus, wenn er erfährt, dass es das nicht gibt.
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Kurt Stukenberg Aug 5
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Hedonismus weiß ich nicht. Es ist in erster Linie eine ausgeprägte Form der Ignoranz:
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Jonas Schaible Aug 5
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Aber eine, die dann eingefordert wird, wenn das eigene vermeintliche Recht auf ein sorgenfreies gutes Leben in Fragr gestellt wird.
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sonja dolinsek Aug 5
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Bin mir nicht sicher. Denn ausgesprochenen Hedonismus lehnen diese Leute, die oft lebensweltlich eher konservativ sind, ja auch ab. Es geht nicht um Lust. Es geht eher um Egoismus und Überlegenheit und unreflektiertes Anspruchsdenken (nicht Rechtsdenken).
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Jonas Schaible Aug 5
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Vielleicht ist das auch der Punkt, an dem die auf den ersten Blick erstaunliche Allianz aus Linken, Grünen und Kirchen entsteht: Alle sind aus verschiedenen Gründen an den Gedanken gewöhnt, dass sie dankbar sein können, dass ihnen das Gute nicht zusteht, dass es ihnen gegeben ist
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